Hilf deinem Kind durch den Corona-Lockdown

Liebe Eltern,

die meisten Familien erleben die Corona-Pandemie als eine anstrengende, zermürbende und unsichere Situation. Wir alle haben so etwas noch nie erlebt.

Eltern und Kinder sind besonders gefordert: Homeoffice und Homeschooling, sich nur eingeschränkt mit Freunden treffen können, fehlender Bewegung, keine Zeit für sich, Sorgen um Geld oder die Gesundheit, ständig neue Schreckensnachrichten, ungeklärte Zukunftsfragen – all das verlangt dir und deinen Kindern unheimlich viel ab und kann sich massiv auf die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken.

Wenn dein Kind im Corona Lockdown folgende Symptome zeigt, solltest du aufhorchen:

    • Dein Kind zieht sich immer mehr zurück, hat zu nichts mehr Lust
    • Dein Kind verletzt sich selbst, z. B. ritzt sich
    • Dein Kind sitzt nur noch vor dem PC oder zockt unaufhörlich
    • Dein Kind hat Angst, z. B. sich anzustecken oder andere anzustecken
    • Dein Kind hat Schlafstörungen
    • Dein Kind isst zu viel oder zu wenig
    • Dein Kind hat oft körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen
    • Du hast das Gefühl, mit deinem Kind stimmt was nicht


Was ihr jetzt tun könnt:

1. Liefert eurem Kind Erklärungen für die Corona Situation

Erklärt eurem Kind in einfachen Worten die Corona-Situation. Es sollte verstehen, warum die Veränderungen, die es gerade erlebt, nötig sind. Ich meine damit Kindergarten-, Schul- und Geschäftsschließungen, Homeoffice, warum es sich nicht mit seinen Freunden treffen oder mit anderen Kindern spielen darf usw. Erklärt eurem Kind, warum Hygiene besonders wichtig ist. Übt mit ihm das richtige Händewaschen.

TIPP: Macht eurem Kind keine Angst. Sagt nicht Sachen wie: „Du willst doch nicht, dass die Oma stirbt. Also wasch dir die Hände gründlich.“Achtet darauf, dass euer Kind nicht von Informationen überflutet wird, die es nur überfordern. Schafft bewusst Auszeiten vom „Thema Corona“.

2. Erstellt für den Corona-Lockdown gemeinsam einen Wochenplan

Sammelt zuerst alle Aufgaben, die im Laufe der Woche erledigt werden müssen: Schule, Hausaufgaben, Arbeit, Einkaufen, Hausarbeit, Kochen und auch Pausen. Schreibt konkret auf, was ihr in eurer freien Zeit machen möchtet. Das könnte z. B. sein

    • Mich online mit Kumpels zum Zocken treffen
    • Gitarre üben
    • Mit meiner besten Freundin telefonieren
    • Mit der Familie Gymnastik machen
    • Gemeinsam eine Entspannungsmethode lernen
    • Eine Radltour machen
    • Mit meinen Geschwistern ein Brettspiel spielen

Stellt Regeln auf, wann was geplant werden darf. Das könnte z. B. sein „Freizeit“ zwischen Schule (Homeschooling) und Hausaufgaben oder nach dem Kochen. Fördert bei euerem Kind, dass es seine sozialen Kontakte auch im Lockdown aufrechterhält, sei es über die sozialen Medien, per Mail oder Telefon. Wenn möglich, plant ihr als Eltern bitte auch Zeit ein, die ihr als Paar verbringt. Vielleicht könnt ihr euch an einem Nachmittag 2 Stunden für einen gemeinsamen Spaziergang nehmen, in denen die Kinder anderweitig betreut werden oder allein bleiben können. Denn wenn ihr als Eltern gelassener seid, werden auch eure Kinder gelassener. Außerdem beugt eine räumliche Trennung dem Corona Lagerkoller vor. Tragt all diese Dinge jetzt in den Corona-Lockdown Wochenplan ein. Manche Zeiten sind wahrscheinlich vorgegeben, andere sind flexibel. Am Ende habt ihr eine Art Stundenplan, an dem sich jeder orientieren kann.

TIPP: Manche Schulen bieten Lernpläne an, die ihr nutzen könnt.

3. Gründet einen Corona Familienrat

Es ist wichtig, dass jedes Familienmitglied die Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse im Lockdown zu kommunizieren. Ermutigt euch gegenseitig, über eure Gefühle zu sprechen. Trefft euch einmal wöchentlich und besprecht, wie es euch in der letzten Woche ergangen ist, und auch, wie ihr gemeinsam durch die nächste Woche gehen wollt.

    • Welche Aktivitäten wollen wir draußen machen?
    • Welche Bedürfnisse habe ich?
    • Wie geht es mir psychisch und physisch mit dem Lockdown?
    • Was hat letzte Woche besonders gut geklappt?
    • Was wünsche ich mir auf unserem Speiseplan?
    • Wer kann welche Aufgabe im Haushalt übernehmen?

Es geht darum, jeden wahrzunehmen und das Miteinander zu stärken. Dabei sollen die Eltern genauso zählen wie die Kinder. Die Kinder einzubeziehen schafft Struktur für die Kinder und Entlastung für die Eltern.

Für den täglichen Austausch legt im Corona Lockdown gemeinsame Essenszeiten fest. Redet während des Essens nicht über Schule oder Arbeit, sondern drückt mal den „Pausenknopf“ und tauscht euch über positive Dinge aus.

TIPP: Um der „Corona-Wampe“ vorzubeugen, achtet auf gesundes Essen.

4. Führt ein Homeoffice Ampelsystem ein

Ist Homeoffice für dich so anstrengend, weil du dauernd gestört wirst? Dann führe ein Ampelsystem an der Bürotür ein: 

Grün bedeutet: Meine Tür steht offen für dich.
Orange bedeutet: Ich bin in dringenden Fällen ansprechbar.
Rot bedeutet: Ich darf auf keinen Fall gestört werden. 

Wenn du eine „Notfall-Ausnahme“ definieren möchtest, lege genau fest, was ein Notfall ist. Damit dieses Homeoffice-System funktioniert, muss es für alle konsequent gelten

5. So geht ihr mit Konflikten und Problemen im Corona Lockdown um

Die Art und Weise, wie ihr in diesen schwierigen Lockdown-Zeiten miteinander sprecht, ist besonders wichtig. Sollten irgendwelche Probleme auftauchen

    • Nehmt euch Zeit
    • Zeigt Verständnis
    • Baut nicht noch mehr Druck auf
    • Sucht gemeinsam nach Lösungen
    • Bezieht eure Kinder in Entscheidungen ein
    • Lasst euer Kind altersangemessene Situationen selbst bewältigen
    • Ermutigt euer Kind, Neues auszuprobieren
    • Bietet eure Hilfe an
    • Seid großzügig mit Lob und Anerkennung und sparsam mit Tadel
    • Sprecht bei Kritik immer nur ein bestimmtes Verhalten, nicht die Person als Ganzes an
    • Erzählt, was euch in ähnlichen Situationen hilft
    • Seid Vorbild und sorgt für euch selbst

6. Hier können sich Kindern und Eltern Corona-Hilfe holen

    • Kinder: Nummer gegen Kummer: 116111
    • Eltern: Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550
    • Familien-Beratungsstellen
    • Erziehungsberatungstellen
    • www.kinder-traumatherapie.de

Alles Gute!
Eure
Ruth Hollederer

Meine Praxis in Aichach

Heilpraxis für Traumatherapie
Robert-Bosch-Str. 9
86551 Aichach

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